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Felix Mitterer

Die Piefke-Saga

Komödie einer vergeblichen Zuneigung

Drehbuch, Haymon-Verlag, Innsbruck, 1991
Herausgegeben in Zusammenarbeit mit NDR und ORF

VORWORT

1980 schrieb ich fuer Dieter Meichsner (Norddeutscher Rundfunk, Hamburg) sechs Folgen der neunteiligen Fernsehserie "Die 5. Jahreszeit", in der die Geschichte des Schilaufs und des Winterfremdenverkehrs (zugleich Zeitgeschichte eines Tiroler Bergdorfes) über hundert Jahre hin erzählt wurde. Produzent der Serie war Walfried Menzel, und dieser kam einige Jahre später mit einer Ausgabe des Wiener Magazins "Wochenpresse" zu mir, deren Titelschlagzeile lautete: "Wer braucht die Piefkes?" Zugleich übergab er mir Stöße von Protestbriefen deutscher Urlauber, die nach einer Fuchsberger-Sendung (Frage an Wiener Show-Teilnehmer: Wieviele von Ihnen nennen die Deutschen "Piefke"?) und als Folge des "Wochenpresse"-Artikels bei den diversen Fremdenverkehrsämtern eingelangt waren.

Nachdem ich alles gelesen hatte, wußte ich: das ist Stoff für eine Komödie. Dieter Meichsner vom NDR war derselben Meinung, und so fuhr ich hinaus aufs Land, schaute und hörte mich um, fast zwei Jahre lang, dann schrieb ich die "Piefke-Saga": Die Geschichte der deutschen Unternehmerfamilie Sattmann, mit der Sehnsucht aller Städter nach Natur, nach dem Abenteuer, nach Heimat auch. Und die Geschichte zweier Tiroler Familien, die einen Bauern, die anderen Hoteliers, deren Schicksal immer mehr mit denen der Sattmanns verknüpft wird.

Natürlich geht es auch um die Untersuchung des Begriffes, des Schimpfwortes "Piefke", und darum, wie sich "typisch" deutsche Urlauber im Ausland aufführen, aber selbstverständlich nicht in der Hauptsache. Ich hätte genausogut eine Wiener Familie in Caorle, eine Innsbrucker Familie am Gardasee zeigen können; die Mechanismen sind immer die gleichen. Es geht um den Massentourismus, um das, was er am Menschen und an der Natur anrichtet, um die Beziehung zwischen "Gast" und "Gastgebern", die sich durch die "Masse" immer schwieriger gestaltet, was dazu führt, daß es manchem überbelasteten Gastgeber lieber wäre, der Gast würde das Geld überweisen und daheimbleiben.

Daß ich die Geschichte in Form einer Komödie schrieb, hat mich vor Larmoyanz geschützt, auch habe ich versucht, im Genre des -- manchmal schon etwas faden -- Fernsehspiels etwas Neues auszuprobieren, nämlich -- völlig wider die dramaturgischen Regeln -- die Uneinheitlichkeit. Der erste Teil ist eine Satire, der zweite Teil eine Komödie, der dritte Teil eine Tragikomödie, der vierte Teil eine Horrorvision zum Totlachen. Da die Zuschauer immer besser sind als ihr Ruf (besonders bei Fernsehredakteuren), haben viele zugeschaut, worüber ich mich freue.

Zu danken ist meinem Förderer Dieter Meichsner, Fernsehspielchef des Norddeutschen Rundfunks, der Mitte '91 leider in Pension ging. Dank auch an Gerd Bacher und Ernst Wolfram Marboe (ORF), die den 4. Teil ermöglicht haben, und besonders danke ich dem Regiesseur Wilfried Dotzel und dem Kameramann Michael Thiele, die mit dem wurderbaren Team von Laien- und Berufsschauspielern die Bücher kongenial umsetzten. Widmen möchte ich dieses Buch Else Anderka (die alte Lena) und Peter Kluibenschädl (der alte Andreas), die bald nach den Dreharbeiten verstorben sind. Als altes Liebespaar in der "Piefke-Saga" werden sie unvergessen bleiben.

Innsbruck, im September 1991
Felix Mitterer

Die Piefke-Saga, 1. Teil: Der Skandal


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Updated on December 4, 1996 by editor@obs-us.com.