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Electronic Mall: Banking und Shopping in globalen Netzen

4 Die Applikationswartung

Die Wartung nimmt beim Applikationsentwicklung eine zentrale Stellung ein. Applikationen müssen wartbar gestaltet sein, damit der Anbieter seine Dienstleistung, den technologischen und benutzerbedingten Änderungen entsprechend, anpassen kann.

vgl. [Meyer 88; S. 7]

Bild V - 9: Zusammensetzung der Wartungskosten

Die Wartungsfreundlichkeit von Software ist ein entscheidendes Qualitätskriterium und dies spiegelt sich in der Qualität der Dienstleistung des Anbieters wider. Gründe, welche zur Wartung von Software führen, illustriert Bild V 9.

In der Grafik sind die Kriterien "Änderungen in den Benutzeranforderungen" und "Änderungen in den Datenformaten" erkennbar, die zusammen fast 60 Prozent der gesamten Wartungskosten ausmachen. Diese zwei Aspekte werden nachfolgend vertieft behandelt.

4.1 Änderungen in den Datenformaten

Die Änderungen in den Datenformaten sind solche, die zwar selten, jedoch mit einer grossen Wahrscheinlichkeit auftreten, insbesondere bei langlebigen Applikationen. Im konkreten Fall betrifft dies vor allem die Protokolle auf der Basis-Anwendungsschicht, wie z.B. Weiterentwicklungen im UN/Edifact-Standard. Alle Teilnehmer im telematischen System müssen Vorrichtungen treffen, damit solche Änderungen aus organisatorischer Sicht reibungslos ablaufen. Konkret bedeutet das Ändern des Übertragungsprotokolls eine Änderung am Konverter.

Ein Konverter dient der Wandlung der proprietären, applikationsinternen Protokolle auf die standardisierten, zwischen den Teilnehmern eingesetzten, Protokolle.

Es gibt zwei verschiedene Arten, Konverter zu entwerfen: Die erste Art erfolgt über eine tabellengesteuerte Konversion. Dabei wird in einer Tabelle beschrieben, wie die Felder, des externen Protokolls in den Felder des internen Protokolls abgebildet werden sollen und umgekehrt. Dies erfolgt unter Berücksichtigung der jeweiligen Datenformate. Die zweite, kaum verbreitete Art, Konverter zu entwerfen, besteht darin, die Tabelleninformation implizit im Programmcode einzubauen. Dies wird jedoch nur bei einfachen Konvertierungen gemacht. Bei umfangreichen Konvertierungen, wie dies im UN/Edifact der Fall ist, wäre der Wartungsaufwand zu gross.

Bild V - 10: Der Konverter

Im Falle eines Wechsels des externen Protokolls muss also die Tabelle geändert oder ausgetauscht werden. Gleiches gilt natürlich auch, falls die internen applikationsspezifischen Datenformate geändert werden.

4.2 Änderungen in den Benutzeranforderungen

Die Änderungen in den Benutzeranforderungen treten am häufigsten auf. Dies liegt vor allem in der Tatsache begründet, dass der Benutzer im Laufe der Zeit seine Arbeitstechnik ändert. Ein Anfänger stellt andere Anforderungen an das Programm als ein fortgeschrittener Benutzer. Im Abschnitt 2.5 wurden bereits Überlegungen in bezug auf die Wartung von Benutzerschnittstellen aufgezeigt.

4.3 Massnahmen zur Unterstützung der Wartung von Client-Server Applikationen

Da der Benutzer die Änderungen an den Applikationen in den seltensten Fällen selber vornehmen kann oder will - von gewissen Modifikationen der Benutzerschnittstelle abgesehen - muss dies vom Applikationshersteller erledigt werden. In hostbasierten Architekturen (siehe auch Abschnitt 5.1) können solche Änderungen ohne grösseren organisatorischen Aufwand erledigt werden. Bei Client-Server Anwendungen muss der Applikationshersteller besondere Vorkehrungen treffen, falls sich die Clientkomponente ändert.

Wird die Client-Software vom Anbieter entwickelt (oder in seinem Auftrag), kann dies auf einfache Weise geschehen, da der Anbieter seine Kunden kennt. Der Anbieter kann seinen Kunden beispielsweise die neue Version der Client-Software per E-Mail zusenden, zusammen mit einem Installationsprogramm. Hat der Kunde die Software von einem Drittanbieter erstanden, muss dieser Drittanbieter eine Liste seiner Kunden führen, um diese von den Neuerungen in Kenntnis zu setzen.

Bereits heute bieten Softwarehersteller Software-Updates über Mittlerdienste an. Als Beispiel sei hier der Dienst CompuServe erwähnt, über welchen alle führenden Softwarehäuser im PCBereich ihre Software-Angebote präsentieren.

Die Übertragung der Updates erfolgt jedoch nur bei wenigen Anbietern (z.B. Novell) direkt über das Medium CompuServe. Man kann zwar das Update über das System bestellen, es wird jedoch in der Regel auf Diskette ausgeliefert. Des weiteren hat der Kunde eine Holschuld: Er muss sich aktiv über die neuesten Entwicklungen seiner Software informieren.

Diese Strategie wird sich durch eine Electronic Mall, wie sie hier dargestellt wird, wahrscheinlich ändern, da der Benutzer die Dienste nicht nutzen kann, wenn er nicht über die richtige Software verfügt. Die Anbieter werden also bemüht sein, die Kunden jederzeit mit der entsprechenden Software auszurüsten.

Diese Politik wird bei CompuServe bereits heute verfolgt: Die Client-Applikation WinCim wird gratis an den Kunden abgegeben. Der Kunde wird bei einem Update der Kundensoftware bei der Kontaktaufnahme mit dem System sofort benachrichtigt, worauf er auf einfache Weise den UpdateVorgang auslösen kann. Bei Prodigy geschieht der Update vollautomatisch: Die Clientkomponente wird für den Kunden völlig transparent modifiziert. Dies geschieht beispielsweise während der Kunde ein Produkt über das System bestellt oder seine E-Mail liest.


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Aktualisiert am 16. Februar 1996; Kommentare an emall@obs-us.com.