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Moslem = Ethnische Identität?

Mosque

Serben, Kroaten und Moslems. Jeder Verleger würde Ihnen sagen, daß diese Liste inkorrekt ist, da sich Moslem auf eine religiöse Identität bezieht, während die anderen Begriffe eine ethnische Identität bezeichnen. Das ehemalige Yugoslawien bildet jedoch eine Ausnahme. Die Betrachtung der Moslems als eine ethnische Gruppe geht auf die frühen Jahren des Zweiten Weltkrieges zurück, als die kommunistische Regierung, unter der Leitung von Josip Broz-Tito, um die Vereinigung eines mehrsprachigen Landes kämpfte, das zwischen 1941 und 1945 zerrissen und zerstört worden war.

Die Föderative Republik Jugoslawien war ein zerbrechliches Gebilde, das aus einer Reihe höchst unterschiedlicher Blocks gebildet worden war:

Am Ende hat sich jedoch gezeigt, daß dieser Sinn für Einheit sehr zerbrechlich war, und die Grenzen der Republik "Bosnien-Herzegowina" mitunter am schlechtesten gezogen worden waren. Zu anfangs gab es auch keine ethnischen "Bosnier": Bosnier waren Serben und Kroaten, Moslems, orthodoxe Christen und römische Katholiken. Sarajewo, die Hauptstadt der bosnischen Republik, war ein scharf gewürzter Eintopf, dessen Charakteristikum seine diversen Zutaten waren: eine Moschee auf einem Platz, eine orthodoxe Kirche auf einem anderen.

Geschichtliche Bedeutung

Die Moslems aus Bosnien-Herzegowina stammen, ähnlich wie die Serben und Kroaten, von südslawischen Viehzüchtern ab. Gleich den Serben haben die heutigen Bosnier auch etwas türkisches Blut in den Adern, ein Resultat der mehr als vier Jahrhunderte dauernden Besatzung und Herrschaft der Türken. Im Gegensatz zu jenem Teil der bosnischen Bevölkerung, die sich als Serben betrachtet, haben die moslemischen Bosnier jedoch die Religion ihrer türkischen Eroberer angenommen -- und hierin liegt der wesentliche Unterschied zu den bosnischen Serben.

Die Feindschaft zwischen den Serben und Moslems geht also nicht nur auf ethnische Unterschiede zurück, sondern hat definitiv auch religiöse Hintergründe. Es ist offensichtlich, daß der heutige Konflikt für manche Serben nicht nur eine ethnische Auseinandersetzung, sondern auch einen Kreuzzug gegen eine andere, fremde Religion darstellt.

Die tragische Ironie besteht darin, daß von allen ethnischen und religiösen Gruppen des ehemaligen Jugoslawien gerade die bosnischen Moslems die stärksten Gefühle für eine jugoslawische Einheit hegen. Die bosnische Gesellschaft ist weitgehend weltlich orientiert, und der Großteil der bosnischen Moslems hat den Unterschied zwischen sich und den anderen Jugoslawen "nur" als ein Problem gesehen, wo und wie sie den Gottesdienst besucht haben. Von allen Wunden, die das bosnische Volk im ehemaligen Jugoslawien verspürt hatte, werden nun jenen die tiefsten Wunden zugefügt, die gehofft und geträumt hatten, daß die Art und Weise wie sie Gott anbeten nie zum Grund einer Auseinandersetzung würde. Und schon gar nicht ein Grund, daß Nachbarn Nachbarn töten.