Englische Übersetzung

3. Von Malern und Pesos 5. Ein Gespräch mit Gott

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4. Umneys letzter Klient

"Candy, Süße, ich will heute niemand sehen und keine Anru..."

Ich verstummte. Das Vorzimmer war verlassen. Candys Schreibtisch in der Ecke sah ungewöhnlich kahl aus, und nach einem Moment wurde mir der Grund klar: Der Korb mit der Aufschrift EINGANG/AUSGANG war in den Papierkorb geworfen worden, ihre Bilder von Errol Flynn und William Powell verschwunden. Wie ihre Philco. Der blaue Bürostuhl, von dem Candy ihr strahlendes Lächeln herumzeigte, war unbesetzt.

Ich richtete den Blick auf den EINGANG/AUSGANG--Korb, der aus dem Mülleimer ragte wie der Bug eines sinkenden Schiffs, und einen Moment setzte mein Herzschlag aus. Vielleicht war jemand hier drinnen gewesen, hatte das Büro auseinandergenommen, Candy entführt. Mit anderen Worten, vielleicht war es ein Fall. In diesem Augenblick wäre mir ein Fall recht gewesen, auch wenn das bedeutete, daß irgend ein Ganove Candy gerade eben fesselte... und das Seil mit besonderer Sorgfalt über den Rundungen ihres Busens zurechtrückte. Jeder Ausweg aus dem Spinnennetz, das sich über mich gesenkt hatte, schien mir Willkommen zu sein.

Das Problem mit diesem Gedanken war einfach: das Zimmer war nicht auseinandergenommen worden. Der Postkorb lag im Müll, richtig, aber das deutete nicht auf einen Kampf hin. Es sah vielmehr aus, als...

Nur eines befand sich noch auf dem Schreibtisch, genau in der Mitte der Unterlage. Ein weißer Umschlag. Als ich ihn nur ansah, wurde mir mulmig. Meine Füße trugen mich trotzdem durch das Zimmer, und ich hob ihn auf. Es überraschte mich nicht, daß mein Name mit Candys verschnörkelter Handschrift darauf geschrieben war, es war nur ein weiterer Teil dieses langen, unerfreulichen Morgens.

Ich riß ihn auf, und ein einziges Schmierblatt fiel mir in die Hand.

Lieber Clyde,

ich habe mich lange genug von dir begrapschen und verspotten lassen, und ich habe deine kindischen und lächerlichen Witze über meinen Namen satt. Das Leben ist zu kurz, es mit einem geschiedenen Detektiv in mittleren Jahren mit Mundgeruch zu verplempern. Du hattest deine guten Seiten, Clyde, aber die schlechten überwiegen allmählich, besonders seit du angefangen hast, ständig zu trinken.

Tu dir selbst etwas Gutes und hör auf.

Alles Liebe,

Arlene Cain

P. S.: Ich gehe zurück zu meiner Mutter in Idaho. Versuch nicht, mit mir Verbindung aufzunehmen.

Ich hielt den Brief noch einen Moment in der Hand und betrachtete ihn fassungslos, dann ließ ich ihn fallen. Ein Satz fiel mir wieder ein, während ich zusah, wie das Blatt zickzackförmig in den bereits vollen Abfalleimer schwebte: Ich habe deine kindischen und lächerlichen Witze über meinen Namen satt. Aber hatte ich je gewußt, daß sie nicht Candy Kane hieß? Ich suchte in meinem Verstand, während das Papier seine trägen -- und scheinbar endlosen -- Hin-- und Herbewegungen fortsetzte, und die Antwort bestand aus einem herzlichen und aufrichtigen Nein. Ihr Name war immer Candy Cane gewesen, wir hatten häufig Witze darüber gemacht, und wenn wir unsere Büroanzüglichkeiten und Kabbeleien hatten, na und? Es hatte ihr immer Spaß gemacht. Uns beiden.

Hat es ihr wirklich Spaß gemacht? sagte eine Stimme aus meinem tiefsten Inneren. Wirklich und wahrhaftig, oder ist das auch eines der kleinen Märchen, die du dir all die Jahre selbst eingeredet hast?

Ich versuchte, diese Stimme zu verdrängen, was mir nach einem oder zwei Augenblicken auch gelang, aber die Stimme, die ihr folgte, war noch schlimmer. Diese Stimme gehörte keinem anderen als Peoria Smith. Ich kann aufhören, so zu tun, als wäre ich im Himmel, wenn mir ein Schwanzlutscher einen Nickel Trinkgeld gibt, sagte er. Kapieren Sie diese Nachricht nicht, Mr. Umney?

"Halt den Mund, Junge", sagte ich zu dem leeren Zimmer. "Gabriel Heatter bist du nicht." Ich wandte mich von Candys Schreibtisch ab, und dabei passierten Gesichter vor meinem geistigen Auge wie die Fratzen einer irren Marschkapelle aus der Hölle: George und Gloria Demmick, Peoria Smith, Bill Tuggle, Vernon Klein, eine Millionen--Dollar--Blondine, die auf den Namen Arlene Cain hörte... sogar die beiden Maler waren dabei.

Verwirrung, Verwirrung, nichts als Verwirrung.

Ich trottete mit gesenktem Kopf in mein Büro, machte die Tür hinter mir zu und setzte mich an den Schreibtisch. Durch das geschlossene Fenster konnte ich leise den Verkehr auf dem Sunset hören. Ich hatte eine Ahnung, daß es für den richtigen Menschen immer noch ein so L. A.--typischer Frühlingsmorgen sein mußte, daß man irgendwo das aufgedruckte eingetragene Warenzeichen zu sehen erwartete, aber für mich war jegliches Licht aus dem Tag gewichen... innen wie außen. Ich dachte an die Flasche Fusel in der untersten Schublade, aber plötzlich schien mir die Anstrengung zu groß, mich auch nur zu bücken, um sie zu holen. Es kam mir vor, als müßte ich den Mount Everest mit Turnschuhen besteigen.

Der Geruch frischer Farbe drang bis in mein innerstes Heiligtum. Es war ein Geruch, den ich normalerweise mochte, aber jetzt nicht. In diesem Augenblick war er für mich der Geruch von allem, was schief gegangen war, seit die Demmicks nicht ihren Hollywood Bungalow betraten, einander klugscheißerische Bemerkungen zuwarfen wie Tennisbälle, ihre Schallplatten mit voller Lautstärke abspielten und ihren Corgi mit ihrem endlosen Grapschen und Turteln zu hysterischen Anfällen reizten. Mit fiel vollkommen klar und einfach ein -- ich könnte mir denken, daß großen Menschen ihre Einfälle immer so kommen --, wenn es einem Arzt gelingen würde, den Krebs herauszuschneiden, der den Fahrstuhlfahrer des Fulwider Building umbrachte, dann wäre der weiß. Austernweiß. Und er würde genau wie frische Farbe der Marke Dutch Boy riechen.

Dieser Gedanke war so ermüdend, daß ich den Kopf senken, die Handballen an die Schläfen pressen und ihn stützen mußte... vielleicht wollte ich auch nur verhindern, daß sein Inneres nach außen explodierte und eine Schweinerei auf die Wände spritzte. Und als die Tür leise geöffnet wurde und Schritte in dem Raum erklangen, sah ich nicht auf. Es schien eine größere Anstrengung zu sein als ich sie im Augenblick bewerkstelligen konnte.

Außerdem hatte ich die seltsame Vorstellung, daß ich bereits wußte, wer es sein würde. Ich konnte dieses Wissen nicht erklären, aber die Schritte klangen irgendwie vertraut. Ebenso das Kölnisch, auch wenn ich den Namen nicht hätte nennen können, wenn mir jemand eine Waffe an die Schläfe gehalten hätte, und zwar aus einem einfachen Grund: Ich hatte es in meinem ganzen Leben noch nicht gerochen. Wie konnte ich einen Geruch kennen, den ich noch nie wahrgenommen hatte, werden Sie sich fragen? Das weiß ich selbst nicht, Kumpel, aber es war so.

Und das war noch nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war: ich war fast besinnungslos vor Angst. Ich stand schußbereiten Waffen in den Händen verrückter Männer gegenüber, was schlimm ist, und Dolchen in den Händen wütender Frauen, was tausendmal schlimmer ist, einmal war ich ans Lenkrad eines Packard gefesselt, der auf den Schienen einer vielbefahrenen Güterzuglinie geparkt worden war, ich bin sogar schon einmal zu einem Fenster im zweiten Stock hin aus geworfen worden. Durchaus ein ereignisreiches Leben, aber nichts hatte mir je solche Angst gemacht wie mir der Geruch dieses Kölnisch und das Geräusch der Schritte Angst gemacht hatten.

Mein Kopf schien mindestens sechshundert Pfund zu wiegen.

"Clyde", sagte eine Stimme. Eine Stimme, die ich noch nie gehört hatte, eine Stimme, die ich dennoch so gut wie meine eigene kannte. Ein einziges Wort, und das Gewicht meines Kopfes schnellte glatt auf eine Tonne hinauf.

"Machen Sie, das Sie rauskommen, wer immer Sie sind", sagte ich ohne aufzusehen. "Wir haben geschlossen." Aus einem unerfindlichen Grund fügte ich hinzu: "Wegen Renovierung."

"Schlechter Tag, Clyde?"

Drückte die Stimme Mitgefühl aus? Ich fand irgendwie ja, was alles noch schlimmer machte. Wer der Kerl auch immer sein mochte, ich wollte sein Mitleid nicht. Etwas sagte mir, daß sein Mitleid schlimmer sein würde als sein Haß.

"Nicht so schlecht", sagte ich, stützte den schweren, schmerzenden Kopf mit den Handflächen und starrte auf meine Schreibtischunterlage, als hinge mein Leben davon ab. In die linke, obere Ecke hatte ich die Telefonnummer von Mavis Weld gekritzelt. Ich studierte sie immer und immer wieder -- Beverly Hills 6--4214. Es schien eine gute Idee zu sein, die Schreibtischunterlage zu studieren. Ich wußte nicht, wer mein Besucher war, aber ich wußte, ich wollte ihn nicht sehen. Das war in dem Augenblick das Einzige, was ich wußte.

"Ich glaube, du bist ein wenig... sagen wir, unlauter?" fragte die Stimme, und es war tatsächlich Mitleid, bei dem Klang verkrampfte sich mein Magen zu etwas, das sich wie eine zitternde, säuregetränkte Faust anfühlte. Ein Knirschen ertönte, als er auf dem Klientenstuhl Platz nahm.

"Ich weiß nicht genau, was da Wort bedeutet, aber sagen wir es meinetwegen", stimmte ich zu. "Und nachdem wir es nun gesagt haben, warum stehen Sie nicht gleich wieder auf, Moggins, und verziehen sich? Ich denke, ich werde einen Tag krank machen. Das kann ich ohne großes Hin und Her, verstehen Sie, weil ich der Boss bin. Prima, wie sich manchmal alles so trefflich fügt, was?"

"Kann schon sein. Sieh mich an, Clyde."

Mein Herzschlag wurde unregelmäßig, aber ich hielt den Kopf gesenkt und studierte weiter Beverly 6--4214. Ein Teil von mir fragte sich, ob die Hölle heiß genug für Mavis Weld war. Als ich das Wort ergriff, hörte sich meine Stimme gelassen an. Das überraschte mich, aber ich war dankbar dafür. "Vielleicht mache ich sogar ein ganzes Jahr krank. Möglicherweise in Carmel. Ich sitze mit dem American Mercury auf dem Schoß da und sehe zu, wie die großen Schiffe von Hawaii einlaufen."

"Sieh mich an."

Ich wollte nicht, hob aber trotzdem den Kopf. Er saß auf dem Klientenstuhl, wo Mavis einst gesessen hatte, und Ardis McGill und Big Tom Hatfield. Sogar Vernon Klein hatte einmal dort gesessen, als er mir die Bilder seiner Tochter zeigte, auf denen sie nichts außer einem Opiumgrinsen und das Kostüm trug, mit dem sie zur Welt gekommen war. Er saß da, und dasselbe kalifornische Sonnenlicht fiel auf seine Gesichtszüge -- Züge, die ich eindeutig schon einmal gesehen hatte. Zum letzten Mal vor nicht einmal einer Stunde, in meinem Badezimmerspiegel. Ich hatte sie mit einer Gilette Blue Blade rasiert.

Der Ausdruck von Mitleid in seinen Augen -- meinen Augen -- war das teuflischste das ich je gesehen hatte, und als er seine Hand ausstreckte -- meine Hand --, verspürte ich den plötzlichen Wunsch, mit meinem Drehstuhl herumzuwirbeln, aufzustehen und mich aus dem Fenster im sechsten Stock zu stürzen. Ich hätte es vielleicht auch getan, wäre ich nicht so verwirrt, so durch und durch verloren, gewesen. Ich hatte das Wort unmännlich schon oft gehört -- es ist ein Lieblingswort der Schundschreiber und Heulsusen --, aber dies war das erste Mal, daß ich mich selbst so fühlte.

Plötzlich wurde es dunkler im Büro. Der Tag war vollkommen klar gewesen, ich hätte schwören können, aber jetzt hatte sich dennoch eine Wolke vor die Sonne geschoben. Der Mann auf der anderen Seite des Schreibtischs war mindestens zehn Jahre älter als ich, möglicherweise fünfzehn, das Haar fast völlig weiß, während meines noch fast völlig schwarz war, aber das änderte nichts an der simplen Tatsache -- wie er sich auch nennen mochte und wie alt er auch aussah, er war ich. Hatte ich gedacht, daß mir seine Stimme bekannt vorkam? Klar. So wie die eigene Stimme klingt -- wenn auch nicht ganz so wie im eigenen Kopf --, wenn man sie auf Tonband hört.

Er nahm meine schlaffe Hand vom Schreibtisch, schüttelte sie so heftig wie ein Grundstücksmakler beim Verkauf, und ließ sie wieder fallen. Sie landete mit einem Plop auf der Schreibtischplatte und bedeckte Mavis Welds Telefonnummer. Als ich die Finger wieder hob, stellte ich fest, daß Mavis' Nummer fort war. Tatsächlich waren alle Nummern fort, die ich im Lauf der Jahre auf die Unterlage gekritzelt hatte. Sie war so rein... nun, so rein wie das Gewissen eines bigotten Baptisten.

"Herrgott", krächzte ich. "Herrgott nochmal."

"Keineswegs", sagte die ältere Version von mir, die auf der anderen Seite des Schreibtischs auf dem Klientenstuhl saß. "Landry. Samuel D. Landry. Zu deinen Diensten."

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3. Von Malern und Pesos 5. Ein Gespräch mit Gott

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