Englische Übersetzung

2. Vernons Husten 4. Umneys letzter Klient

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3. Von Malern und Pesos

Der Geruch von frischer Farbe stach mir in die Nase und überlagerte sogar den von Vernons Qualm und Bill Tuggles Achselhöhlen. Die Männer in den Overalls bearbeiteten gerade eine Fläche nicht weit von meiner Bürotür entfernt. Sie hatten eine Abdeckplane auf dem Boden ausgebreitet, und ihre Werkzeuge lagen darauf verteilt -- Dosen und Pinsel und Terpentin. Desweiteren zwei Klappleitern, die die Maler flankierten wie dürre Buchstützen. Ich wollte den Flur entlanglaufen und dabei ihre sämtlichen Werkzeuge hierhin und dorthin kicken. Welches Recht hatten sie, diese alten, dunklen Wände in so einem grellen, entweihenden Weiß zu streichen?

Stattdessen ging ich zu demjenigen, der aussah, als bestünde sein IQ aus einer zweistelligen Zahl, und fragte ihn höflich, was er und sein Kollege denn hier veranstalteten. Er drehte sich zu mir um. "Nach was siehts'n aus? Ich verpasse Miss America grad'n Stinkefinger und Chick dort trägt Rouge auf Betty Grables Nippel auf."

Ich hatte genug. Genug von ihnen, genug von allem. Ich streckte die Hand aus, packte den Klugscheißer unter der Achsel und drückte mit den Fingerspitzen auf einen besonders wüsten Nerv, der sich dort versteckt. Er schrie und ließ den Pinsel fallen. Weiße Farbe spritzte auf seine Schuhe. Sein Partner warf mir einen zaghaften Rehblick zu und machte einen Schritt vorwärts.

"Wenn du versuchst, einen Abgang zu machen, bevor ich mir euch fertig bin", fauchte ich, "schieb ich dir den Stiel deines Pinsels so tief in den Arsch rein, daß man die Borsten mit einem Angelhaken suchen muß. Willst du es darauf ankommen lassen, ob ich lüge?"

Er erstarrte und blieb einfach am Rand der Abdeckplane stehen, wo er von einer Seite zur anderen sah und nach Hilfe Ausschau hielt. Es kam keine. Ich rechnete fast damit, daß Candy die Tür meines Büros aufmachen und nachsehen würde, was der Aufstand sollte, aber die Tür blieb fest geschlossen. Ich wandte meine Aufmerksamkeit wieder dem Klugscheißer zu, den ich festhielt.

"Die Frage war doch ganz einfach, Kumpel -- was, zum Teufel, veranstaltet ihr hier? Kannst du mir das sagen, oder muß ich dir noch eine Dosis verpassen?"

Ich krümmte die Finger unter seiner Achselhöhle, um die Erinnerung aufzufrischen, und er schrie wieder. "Wir streichen den Flur! Herrgott, können Sie das nicht sehen?"

Ich konnte es tatsächlich sehen, und selbst wenn ich blind gewesen wäre, hätte ich es riechen können. Mir gefiel nicht, was beide Sinne mir verrieten. Der Flur sollte nicht gestrichen werden, schon gar nicht in diesem grellen, blendenden Weiß. Er sollte düster und schattig sein, er sollte nach Staub und alten Erinnerungen riechen. Was mit dem ungewöhnlichen Schweigen der Demmicks angefangen hatte, wurde immer schlimmer. Ich war stinkesauer, wie dieser unglückliche Bursche gerade feststellte. Außerdem hatte ich Angst, aber das ist eine Empfindung, die man gut verbergen lernt, wenn der Beruf es mit sich bringt, daß man eine Puste in einem Achselhalfter mit sich herumschleppt.

"Wer hat euch zwei Komiker geschickt?"

"Unser Boss", sagte er und sah mich an, als hätte ich den Verstand verloren. "Wir arbeiten für den Malerbetrieb Challis Custom in der Van Nuys. Der Boss ist Hap Corrigan. Wenn Sie wissen wollen, wer der Firma den Auftrag gegeben hat, dann müssen Sie..."

"Das war der Besitzer", sagte der andere Maler leise. "Der Besitzer dieses Hauses. Ein Mann namens Samuel Landry."

Ich suchte in meiner Erinnerung und versuchte, den Namen Samuel Landry mit dem in Verbindung zu bringen, was ich über das Fulwider Building wußte, konnte es aber nicht. Ich konnte den Namen Samuel Landry tatsächlich mit gar nichts in Verbindung bringen... und doch schien er fast in meinem Kopf zu läuten wie eine Kirchenglocke, die man an einem nebligen Morgen aus meilenweiter Ferne hören kann.

"Ihr lügt", sagte ich, aber ohne Nachdruck. Ich sagte es nur, damit ich überhaupt etwas sagte.

"Rufen Sie den Boss an", sagte der andere Maler. Der Schein konnte trügen, offenbar war er der doch der schlauere der beiden. Er griff in seinen schmutzigen, farbverschmierten Overall und holte eine kleine Karte heraus.

Ich winkte plötzlich müde ab. "Wer, in Gottes Namen, möchte dieses Loch überhaupt gestrichen haben?"

Ich fragte nicht sie, aber der Maler, der mir die Visitenkarte geben wollte, antwortete trotzdem. "Nun, es sieht viel heller aus", sagte er vorsichtig. "Das müssen Sie zugeben."

"Junge", sagte ich und ging einen Schritt auf ihn zu, "hat deine Mutter auch Kinder gehabt, die überlebten, oder hat sie einfach nur ab und zu eine Nachgeburt wie dich zur Welt gebracht?"

"He, schon gut, schon gut", sagte er und wich einen Schritt zurück. Ich folgte seinem besorgten Blick zu meinen geballten Fäusten und öffnete sie wieder. Er sah nicht sehr erleichtert aus, was ich ihm eigentlich auch nicht verdenken kann. "Es gefällt Ihnen nicht -- das haben Sie laut und deutlich gemacht. Aber ich muß tun, was der Boss mir sagt, oder nicht? Ich meine, verdammt, so läuft das in Amerika."

Er sah seinen Partner an, dann wieder mich. Es war ein rascher Blick, kaum mehr als ein Blinzeln, aber in meiner Branche hatte ich ihn schon öfter gesehen, es ist ein Blick, den man sich merkt. Laß dich nicht mit dem Burschen ein, sagte der Blick. Stoß ihn nicht an, tritt ihm nicht auf die Füße. Er ist reines Nitro."

"Ich meine, ich muß eine Frau und ein kleines Kind versorgen", fuhr er fort. "Da draußen herrscht Depression, wissen Sie."

Da kam Verwirrung über mich und ertränkte meine Wut wie ein Regenguß einen Waldbrand. Herrschte da draußen eine Depression? Ja?

"Ich weiß", sagte ich, obwohl ich nichts wußte. "Vergessen wir es einfach, was meint ihr?"

"Klar", stimmten die Maler so eifrig zu, daß sie sich wie ein halbes Barbier--Quartett anhörten. Derjenige, den ich irrtümlich als halbintelligent eingestuft hatte, hielt die linke Hand tief unter der rechten Achselhöhle vergraben und versuchte, den Nerv dort wieder zu beruhigen. Ich hätte ihm sagen können, daß das eine Stunde dauern würde, möglicherweise länger, aber ich wollte nicht mehr mit ihnen reden. Ich wollte mit niemand reden und niemand sehen -- nicht einmal die ergötzliche Candy Kane, deren feuchte Blicke und geschwungene, subtropische Kurven bekanntermaßen schon hartgesottene Gossenschreier in die Knie gezwungen haben. Ich wollte nur das Vorzimmer durchqueren und mich in mein innerstes Heiligtum verkriechen. In der linken unteren Schublade lag eine Flasche Rob's Rye, und im Augenblick brauchte ich mit aller Verzweiflung einen Schluck.

Ich ging zu der Tür mit der Ornamentglasscheibe und der Aufschrift CLYDE UMNEY, PRIVATDETEKTIV und kämpfte dabei gegen den neu erstarkten Wunsch an zu versuchen, ob ich eine Dose weiße Wandfarbe -- austernweiß -- Marke Dutch Boy durch das Fenster am Ende des Flurs auf die Feuerleiter hinauskicken konnte. Ich streckte die Hand schon nach meinem Türknauf aus, als mir etwas einfiel und ich mich noch einmal zu den Malen umdrehte... aber langsam, damit sie nicht denken sollten, ich hätte einen neuen Anfall. Außerdem hegte ich die Vermutung, wenn ich mich zu schnell umdrehte, würde ich sehen, wie sie einander angrinsten und die Finger um die Ohren kreisen ließen -- die Geste für Irre, die wir alle auf dem Schulhof gelernt haben.

Sie ließen die Finger nicht kreisen, hatten mich allerdings auch nicht aus den Augen gelassen. Der Halbintelligente schien die Entfernung bis zur Tür mit der Aufschrift TREPPE abzuschätzen. Plötzlich wollte ich ihnen sagen, daß ich kein schlechter Mensch war, wenn man mich näher kannte, daß es sogar einige Klienten und eine Ex--Frau gab, die in mir eine Art Held sahen. Aber so etwas konnte man nicht über sich selbst sagen, schon gar nicht zu zwei Holzköpfen wie denen.

"Keine Bange", sagte ich zu ihnen. "Ich werde nicht über euch herfallen. Ich wollte nur noch eine Frage stellen."

Sie entspannten sich ein wenig. Sehr wenig.

"Nur zu", sagte Maler Nummer Zwei.

"Hat einer von euch schonmal in Tijuana gespielt?"

"La Loteria? fragte Nummer eins."

"Deine Spanischkenntnisse setzen mich in Erstaunen. Ja. La Loteria."

Nummer Eins schüttelte den Kopf. "Mexikanische Lotterien und mexikanische Hurenhäuser sind nur was für Wichser."

Was meinst du, warum ich dich gefragt habe? dachte ich mir, sagte es aber nicht.

"Außerdem", fuhr er fort, "gewinnt man zehn-- oder zwanzigtausend Pesos, tolle Sache. Was macht das in richtigem Geld? Fünfzig Piepen? Achtzig?"

Meine Mom hat unten in Tijuana in der Lotterie gewonnen, hatte Peoria gesagt, und schon da hatte ich gewußt, daß etwas nicht stimmte. Vierzigtausend Piepen... Mein Onkel Fred war gestern nachmittag unten und hat das Geld geholt. Er hat es in der Satteltasche seines Vinnie zurück gebracht!

"Ja", sagte ich, "in der Gegend, schätze ich. Und sie zahlen immer so aus, oder nicht? In Pesos?"

Er betrachtete mich wieder mit diesem Blick, als wäre ich verrückt, dann fiel ihm ein, daß ich es ja tatsächlich war, und er arrangierte sein Gesicht neu. "Nun, klar. Schließlich ist es ja eine mexikanische Lotterie. Sie könnten schlecht in Dollar ausbezahlen."

"Wie waht", sagte ich, und in Gedanken sab ich Peorias dünnes, eifriges Gesicht und hörte ihn sagen: Es war alles auf Moms Bett ausgebreitet! Geile vierzigtausend Mäuse!

Nur, wie konnte ein blinder Junge sicher sein, um welche Summe es sich genau handelte... oder ob er sich tatsächlich in Geld wälzte? Die Antwort war einfach: Gar nicht. Aber selbst ein blinder Zeitungsjunge mußte wissen, daß La Loteria in Pesos ausbezahlte, nicht in Dollar, und selbst ein blinder Zeitungsjunge mußte wissen, daß man vierzigtausend mexikanische Lappen nicht in der Satteltasche eines Vincent--Motorrads spazierenfahren konnte. Sein Onkel hätte einen Müllkipper der Stadt Los Angeles gebraucht, um soviel Zaster zu befördern.

Verwirrung, Verwirrung -- nichts als dürchte Wolken der Verwirrung

"Danke", sagte ich und ging in mein Büro.

Ich bin sicher, daß war für uns alle drei eine Erleichterung.

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